Tag 6 – 24.08.2026

Der Morgen im Kloster begann ruhig. Wenige Pilger waren bereits aufgestanden. Ich machte mich etwas frisch und begab mich zum Frühstückssaal. Das Frühstück in den meisten Herbergen ist sehr simpel gehalten. Es gab, wie schon häufiger, Toast mit Butter und Marmelade. Danach habe ich die Sachen gepackt und bin los. Nach nicht einmal 5 Minuten fiel mir ein, dass mein Wasser nicht aufgefüllt war. Also ging es kurz zurück. Nach den Erfahrungen vom Vortag nahm ich mir vor, jede Wasserquelle mitzunehmen, die ich fand.

Kurz vor dem Ortsausgang war ein kleiner Trinkbrunnen mit einem Schild dran. Tratatu gabeko ura. Übersetzt heißt es: „Unbehandeltes Wasser“. Im Internet habe ich eine Info gefunden, nach der es Wasser aus den Bergen ist. Also dachte ich mir nichts dabei und nahm meine Tasse und füllte sie auf. Vorbeikommende Pilger meinten dann allerdings, dass es kein Trinkwasser ist, und gingen weiter. Verunsichert darüber goss ich das Wasser weg. Gerade, als ich aufbrechen wollte, kam ein Spanier vorbei. Er meinte, er trinke das Wasser von dort seit mehreren Jahren und dass es wirklich aus den Bergen kommen soll.

Nach einer ganzen Weile traf ich die beiden Pilger vom Brunnen wieder. Ich bin zu ihnen, um zu sagen, dass sie in so einem Fall das Wasser ohne Bedenken trinken können. Aus diesem kleinen Anliegen wurde ein längeres und etwas tiefsinnigeres Gespräch. Beide kommen aus Irland, wobei der eine gebürtig aus La Coruña stammt. Trotz eines höheren Altersunterschieds kannten sie sich schon länger und gut und waren anscheinend auch sehr auf einer Wellenlänge. Nach einer kurzen Zeit ging es darum, wie die gesellschaftliche Erwartung Einfluss auf einen haben kann und dass sich der Wunsch nach Freiheit im Grunde genommen nicht erfüllen kann und der passendere Begriff Autonomie ist.

Frei nach dem Pilger: Der Mensch ist immer Zwängen unterworfen. Der Mensch muss essen, trinken, arbeiten (bzw. dafür sorgen, dass finanzielle Mittel vorhanden sind). Er unterliegt Restriktionen wie dem Gesetz. Und er ist Teil einer Gemeinschaft. Nur Nehmen und nicht Geben kann eigentlich keine Option sein. Der Wunsch nach Freiheit kann dem Menschen also nie gewährt werden, da es immer Faktoren geben wird, die das einschränken. Daher ist der Wunsch nach Autonomie der passendere Begriff.

Der weitere Tag war vor allem eines: anstrengend! Insgesamt standen am Ende fast 32km auf der Uhr und insgesamt absolvierte ich 1300hm beim Aufstieg und 1100hm beim Abstieg.