Update 1 – Tage vom 15.09.

Es hat sich ein ziemlicher Rückstau gebildet. Deswegen gibt es einmal die Ereignisse gesammelt und etwas kürzer.

15.09.

Cadavedo – Navia

Dieser Tag ist schnell erzählt, da nicht viel passiert war. Ich hatte mir wieder viele Kilometer vorgenommen. Erneut 35 km. Den Tag über kam ich nicht mit anderen Pilgern in Kontakt, da mir schlicht niemand begegnet ist. So war ich wieder einmal für mich allein. Ich kann gar nicht sagen, was mir an diesem Tag so durch den Kopf ging. Aber die Zeit ist trotzdem vorbei gegangen. Und das trotz eines einsetzenden Regenschauers am Nachmittag. Die letzten Tage haben dann aber auch etwas ihre Spuren hinterlassen und ich bekam ziemliche Rückenschmerzen, die bis zum Ende meiner Reise nicht gänzlich verschwinden wollten. Und zum Ende des Tages hat auch mein innerer Schweinehund gewonnen. Es regnete den ganzen Abend lang und das Einzige, was ich zum Essen hatte, waren kleine Snacks und etwas Obst. Das war nach einem langen, zehrenden Tag mein Abendessen.

16.09.

Navia – Ribadeo

An diesem Tag begann der letzte Abschnitt am Meer. Ich versuchte, es trotz mangelnder Motivation zu genießen. Es fiel mir nicht immer leicht, aber Strände oder der Blick aufs Meer faszinieren mich doch immer wieder, auch wenn viele Strände abseits des Weges lagen. Einige Kilometer vor dem Ende kam ich an einem großen Strand. Im Wasser waren einige Surfer. Ich hielt mich dort eine Weile auf und unterhielt mich dann irgendwann mit einem Österreicher, bevor er weiterging.

Auch ich brach bald darauf auf. Es ging noch etwas weiter am Strand entlang, bevor die Straße landeinwärts weiterführte. Mein Weg führte mich dann aber zu einer Autobahn, die über eine Bucht führte. An der Seite gab es einen Fuß- und Radweg. Die Aussicht von dort und das Feeling habe ich echt genossen. Auf der Brücke hätte ich durchaus länger verweilen können. Und ich war da schon lange drauf. Kurz danach ging es aber in der Herberge und der Tag lief dann ruhig und entspannt aus.

17.09

Ribadeo – Lourenza

Die Gegend war sehr hügelig und es ging auf den ersten Kilometern auf und ab, bevor ein größerer Anstieg bevorstand. Der Gegend schenkte ich nicht viel Aufmerksamkeit, da meine Gedanken eher zu Hause waren. Die Lust hielt sich in Grenzen. Das Laufen wurde über die gesamte Zeit nicht zur Normalität. Nach 16 km und damit 11 km vor dem Ende hatte ich einen stechenden Schmerz in der Wade. Mein erster Verdacht war eine Zerrung im Muskel. Nach einer Pause lief ich weiter. Die Probleme blieben. Ich dachte, dass das Ende des Caminos ist. Mit einer Zerrung kann ich keine 150+ km laufen. Dazu die Schmerzen im Rücken. Wenn das mal nicht miteinander zusammenhing.

Ich lief langsam den Berg auf der Straße hinab. Machte erneut eine Pause. Viele Pilger liefen vorbei. Ich lief dann irgendwann auch weiter. Und die Schmerzen blieben. Irgendwann holte mich eine Spanierin ein und ihr fielen meine Probleme auf. Wir redeten etwas miteinander, unter anderem auch darüber und darüber, was sie zur Vorbeugung macht. Ich dehne mich eigentlich täglich nach wenigen Kilometern. Kurze Zeit später lief sie wieder ihr Tempo. Als ich den Abstieg hinter mir gelassen hatte, wurden die Beschwerden weniger. Für mich eine Erleichterung, da ich somit eine Zerrung ausschließen konnte. Also habe ich nach anderen Möglichkeiten gesucht und kam schlussendlich dazu, dass es ein Nerv oder eine Sehne neben der Achillessehne war, die schmerzte. Dies kann durch Spannungen im hinteren Oberschenkel begünstigt werden. Eine Dehnübung für den hinteren Oberschenkel hatte ich bisher aber nie gemacht. Bei einem nächsten Halt holte ich es nach. Und es wurde direkt etwas besser. In der Zielstadt angekommen holte ich dann Voltaren und Ibuprofen, um meine Schmerzen im Rücken und in der Wade zu behandeln.

18.09.

Lourenza – Abadin

Der Tag ist eigentlich nicht lang. Die Etappe beträgt 20 km. Heute stand aber ein großer Anstieg an. Nach den letzten Tagen mit den Beschwerden im Rücken und in der Wade entschloss ich mich, eine andere Option zu nehmen, die teilweise um den Berg führt. Der Anstieg war trotzdem groß und die Strecke etwas länger. Die Aussicht sollte dort schlechter sein. Da die Sicht insgesamt nicht gut an dem Tag war, war dies aber auch kein großes Problem. Ich bin nicht gut in den Wandertag gestartet und hatte früh schon Probleme mit der Wade und dem Rücken. Nach 8 km kam der erste Ort und ich sorgte für etwas Verpflegung. Auf dem nachfolgenden Abschnitt gab es keine Möglichkeit, etwas zu kaufen. Und so verlief der Tag eher zäh und ruhig. Nach einer Pause nahe einer alten Kalkmühle bekam ich aber einen kleinen Motivationsschub und die letzten Kilometer waren einfacher. Ich kam in einer Pension unter, in der ich ein Einzelzimmer buchte. Ich musste mich selber um die Verpflegung kümmern, weswegen es bei einem einfachen Essen blieb.

19.09.

Abadin – Vilalba

Der Tag startete entspannt, da ich in einem Einzelzimmer untergebracht war. Ich war etwas zu spät schlafen, weswegen ich nicht ganz ausgeschlafen war. Das Tempo war gut, aber die Motivation nicht sonderlich groß. Das Wetter war frisch und die Sicht aufgrund des Wetters nicht so gut. Aber die Beschwerden der Vortage ließen nach. Nach 2 Stunden habe ich noch einmal etwas meinen Schmerzpunkt im Rücken massiert, was sehr hilfreich war. Die folgenden Kilometer waren dann gut und ich kam schnell voran. Bei zugegebenermaßen nur 20 km. Mittags war ich bereits in der Herberge und konnte mich noch weiter ausruhen.

20.09.

Vilalba – A Pobra de Parga

Heute war einer der besten der letzten Tage. Der Tag begann bei frischem Wetter und die ersten Kilometer gingen mir gut ab. Ich bin im Dunkeln gestartet. Als sich die Dunkelheit aufgelöst hatte, machte sich ein Nebel breit. Die Sichtweite war nicht sonderlich groß und die Feuchtigkeit verfing sich in meinen Haaren. Nach den ersten 12 km fiel ich jedoch in ein Leistungsloch. Die nächsten Kilometer waren schwer. Die Landschaft blieb aber schön. So ging es durch Waldgebiete und über kleine Hügel, aber es zeigte sich auch viel flache Landschaft. Einige Kilometer vor dem Ende traf ich auf eine Bekannte der letzten Tage und wir liefen die letzten Kilometer zusammen. Am späten Mittag trafen wir in der Unterkunft ein. Der Nachmittag verlief dann ruhig mit einfachen Gesprächen.

21.09.

A Pobra de Parga – Sobrado dos Monxes

Ich war lange am Überlegen, welche Route ich laufen soll. Am Vortag habe ich meinen Plan geändert und das Ziel war das Kloster in Sobrado. Es soll sehr empfehlenswert sein, dort die Zeit zu verbringen. Also wollte ich die Chance nutzen. Und mit 26 km hatte der Tag auch eine angenehme Länge. Die Frage, wie die letzten zwei Tage aussehen, ist aber noch unbeantwortet. Es gibt zwei verschiedene Routen, die man laufen kann.

22.09.

Sobrado dos Monxes – Lavacolla

Ich bin früh aufgebrochen, um mir für diesen Tag alle Freiheiten zu ermöglichen. Dumm nur, dass ich direkt am Anfang einen falschen Weg genommen habe. Direkt am Ortsausgang teilte sich der Weg in eine Nord- und eine Südvariante. Die Nordroute – die habe ich genommen – ist zwar einiges kürzer, dafür ist die Infrastruktur um einiges schlechter. Kaum Herbergen und noch weniger Möglichkeiten, sich zu versorgen.Ich war am Überlegen, über einen Weg auf die südliche Route zu wechseln. Da die Straße aber ruhig war und durch die Natur führte, blieb ich dabei. Ich habe mich früh um eine Herberge gekümmert und musste nur noch den Tag ohne große Versorgungsmöglichkeiten überstehen. Am Ende musste ich in 2 Restaurants insgesamt 1 Liter Wasser für etwa 5 Euro kaufen, aber das war zu verschmerzen. So blieben am Ende für den letzten Tag 10 km, nachdem ich an diesem Tag 30 km gelaufen bin.