Tag 21 und 22 – 08.09. und 09.09.2026

Tag 21 – 08.09.2026

Der Tag begann sehr unaufgeregt und angenehm. Nach einer kleinen Stärkung und der Versorgung der Blase ging es los. Für den anderen Deutschen ging es heute zurück, für mich aber weiter. An der ersten Gabelung trennten sich unsere Wege und wir verabschiedeten uns voneinander. Doch nach nicht einmal 100 m habe ich bemerkt, dass ich die Wanderstöcke in der Herberge vergessen hatte. Also ging es zurück. Und an der Gabelung angekommen, stand er noch immer da und guckte den Kühen beim Weiden zu. So konnte ich zumindest meinen Rucksack dort stehen lassen und entspannt die Stöcke holen. Also verabschiedeten wir uns erneut.


Ansonsten war der Tag ruhig und lang und zu erzählen gab es nicht so viel. Aber das bedeutete auch, dass ich viel Zeit zum Nachdenken hatte:

Ich bin an einem Punkt angelangt, an dem die Tage schwierig sind. Ich bin nicht mehr am Anfang der Strecke und das Ende ist auch nicht in Sicht. Gefühlt befinde ich mich ein bisschen im Nichts. Fast alle Leute, die ich bisher auf dem Camino kennengelernt habe, sind an einem anderen Ort. Ich fühle mich hier definitiv nicht einsam, weil hier immer Menschen sind, mit denen man sich austauschen kann. Aber etwas verloren bin ich für den Moment schon, da keine richtigen Kontakte entstehen. Aber es gibt Phasen im Leben, da fühlt man sich verloren. Da gibt es nur eine Möglichkeit: weitermachen und alles dafür tun, dass es besser wird. – 08.09.2026

Am Nachmittag setzte auch noch ein Regenschauer ein, weshalb ich nass und erschöpft in der Unterkunft ankam. Den Abend verbrachte ich dann überwiegend liegend, um mich von den Strapazen des Tages zu erholen.

Tag 22 – 09.09.2026

Eigentlich stand mir ein recht kurzer Tag bevor. Aber die Luft war durch den anhaltenden Regen am Vortag sehr angenehm und frisch. Das hat bei mir eine Extra-Portion Motivation freigesetzt, weswegen ich den eigentlich geplanten Halt ausließ und weiterging. So kam es dazu, dass ich erst um 19:15 Uhr – und damit nach etwas mehr als 11 Stunden auf der Straße – ankam.


Allerdings machte ich auch einen Zwischenstopp von etwa einer Stunde. Auf dem Weg lag eine Kirche und ein anliegendes Kloster. Da ich zu dem Zeitpunkt noch unschlüssig war, wohin mich mein Weg am Abend führt, entschied ich mich, die Anlage zu besichtigen. Dazu gab es einen Audioguide. In dem Augenblick war es sehr interessant, aber leider ist nicht viel von dem Wissen hängengeblieben.

Als ich dann in der Herberge angekommen war, gab es eine große „Überraschung“. Ich traf auf vorherige Weggefährten, mit denen ich hier nicht gerechnet hätte. Die Niederländerin aus unserer kleinen Gruppe, zwei Amerikanerinnen und ein junger Deutscher. Wir saßen etwas beisammen, bevor die ersten beiden aufstanden und den Tisch verließen. Bald darauf kam eine junge Spanierin, die gefragt hat, ob sie sich dazusetzen darf. Alle bejahten dies. Doch es dauerte nicht lange und auch die anderen verließen den Tisch. So saß ich mit der Spanierin alleine am Tisch. Es dauerte etwas, bis das Eis gebrochen war. Aber dann entwickelte sich doch eine Unterhaltung und so saßen wir noch eine Weile am Tisch.

Eine kleine Randnotiz: Die beiden Amerikanerinnen sind Mutter und Tochter. Die Tochter ist 19. Und kurz nachdem sie auf dem Camino ankamen, trafen sie den jungen Deutschen. Ebenfalls 19. Seitdem verbringen sie die Zeit zusammen und haben zumindest für die Zeit in Spanien ihre kleine Liebesgeschichte.