Tag 15 und 16 – 02.09. und 03.09.2026

Tag 15 – 02.09.2026

So langsam verschwimmen die Erinnerungen und Erfahrungen mit denen aus den letzten Tagen. Die letzte Nacht in einem kleinen Appartement für mich alleine tat aber gut. Endlich mal eine ruhige Nacht.

Ausnahmsweise gab es heute einen kurzen Abschnitt, den man mit dem Zug fahren konnte. 3 Minuten Fahrzeit. Dieser Abschnitt wurde uns vor ein paar Tagen von den Hospitaleros in der Unterkunft in Güemes empfohlen. Die Alternative wäre ein Umweg von 7 km gewesen, um zur nächsten Brücke zu kommen. Bei einem Gespräch mit einem Pilger kam aber raus, dass diese 7 km sehr schön waren. Vielleicht sollten die Hospitaleros ihre Empfehlung mal überdenken.

So ging es durch die Landschaft, durch die Stadt, ein kleines Industriegebiet und dann wieder durchs Land in das Dorf der drei Lügen – Santillana del Mar. Warum drei Lügen?
Lüge 1: Sie ist nicht heilig (Santa).
Lüge 2: Sie ist nicht flach (Llana)
Lüge 3: Sie liegt nicht am Meer (del Mar).


Aber dafür ist es ein unglaublich schönes Dorf mit sehr vielen alten Gebäuden, die sehr gut erhalten sind. Leider ist dieser Ort aber auch sehr touristisch geprägt. Ich dachte schon, da die Herberge ausgebucht war, dass ich weiter muss oder mir ein Hotelzimmer nehmen muss. Es kamen zwei Pilger vorbei und wir haben uns kurz darüber unterhalten, wo wir unterkommen. Einer meinte dann, dass er in der Herberge angerufen hat und diese meinten, dass sie immer einen Teil des gesamten Kontingents für spontane Übernachtungen freihalten. So hatte ich Glück und bekam noch ein Bett.


Die Herberge für Pilger hatte es aber in sich. Früher waren es die Schlafräume der Nonnen, heute für die Pilger. So gab es mit wenigen Ausnahmen nur Zweibettzimmer. Dazu gab es draußen einen riesigen Garten mit vielen Sitzmöglichkeiten. Dort saßen wir in einer großen Runde, tranken Bier und hatten eine gute Zeit.

Tag 16 – 03.09.2026


Am nächsten Tag ging es dann weiter nach Comillas. Wie an den meisten Tagen war ich auch an dem Tag wieder alleine unterwegs. Trotz vieler positiver Erfahrungen, schöner Gespräche und netter Menschen kam in den letzten immer häufiger der Gedanke auf, dass ich den Jakobsweg vielleicht abbrechen sollte. Immer wieder verlässt man morgens das Bett und oftmals ist unklar, wo man am Abend unterkommt. Das Laufen ist anstrengend und in den letzten Tagen habe ich viel auf Englisch gesprochen, wobei ich mit meinen Sprachkenntnissen oft an die Grenzen gestoßen bin. Hören, übersetzen, verstehen. Und das mehrere Tage am Stück. Es hat aber auch Spaß gemacht und legt schnell sein Hemmnis ab, Englisch zu reden.


Am frühen Nachmittag bin ich dann in Comillas angekommen. Die Herbergen hatten noch nicht geöffnet, weshalb ich mich in ein Café setzte. Ein Pilger, mit dem ich am Nachmittag unter anderem auch über meine Gedanken gesprochen hatte, kam dazu und wir versuchten gemeinsam unser Glück in den Herbergen. Diese waren jedoch besetzt, da im Vorfeld Betten gebucht werden konnten. Ich hatte es noch probiert, war aber bereits zu spät. Wir waren bereits am Überlegen, in die nächste Stadt zu gehen. Eine Hospitalerin hat uns dann aber privat vermittelt. So kamen wir in einer Ferienwohnung unter und jeder hatte sein eigenes Zimmer. Es wirkte aber alles etwas seltsam und nicht ganz korrekt.



Ohne Anschluss zu den anderen haben wir uns dann in die Stadt begeben und geguckt, ob wir jemanden treffen. Es hat eine Weile gedauert, aber dann haben wir mehrere Pilger getroffen und haben uns am Abend für ein gemeinsames Abendessen verabredet. Die Location war sehr schön und ruhig. Einer meinte dann am Ende ganz überraschend, dass er uns alle einlädt. Wir kannten uns seit zwei Tagen, aber es war eine wirklich große Geste.