Tag 2 – 20.08.2026
In dem Hostel von Tag 1.2 hatte ich auch die erste interessante Begegnung. Ein älterer Mann aus Kanada war dort für einige Tage untergekommen um Urlaub zu machen. Den Jakobsweg läuft er nicht. Aber er machte direkt einen intelligenten und interessierten Eindruck. Durch seine offene Art kamen wir schnell ins Gespräch. Er hatte sich zuvor schon mit einigen anderen Gästen dort unterhalten und konnte zum einen oder anderen etwas sagen. Ohne, dass ich gefragt hatte. Aber interessant war es allemal. Er war sehr interessiert an der Politik in Deutschland und an die Historie. Und mit Blick auf die letzten Jahre macht er sich schon Sorgen. Angetan war er aber von Angela Merkel. Er hat sie als sehr intelligente Frau wahrgenommen, die viel bewegt hat. Und es gefiel ihm, dass sie Physik studiert hat. Genau wie er. Trotz meines gebrochenen Englischs haben wir uns länger und angeregt über Politik unterhalten. Es war eine sehr angenehme und interessante Begegnung.

Aber der Jakobsweg sollte ja nichts zu kurz kommen, weshalb ich auch hier das Bett räumen musste. Mein Weg führte mich durch die Stadt und an einen weiteren Strand. Donostia San Sebastian ist mit seinen Stränden und den großen Gebäuden eine große, aber wirklich schöne Stadt. Zwei der drei Strände sind weitläufig in einer schönen Bucht, inmitten derer sich eine kleine Insel befindet. Dazu ist die Architektur dieser Stadt bewundernswert, weshalb ich dort gut und gerne einen zweiten Tag hätte bleiben können.
Zu Beginn der Etappe ging es über einigen Treppenstufen wieder steil aufwärts. Gefühlt bestand diese Etappe nur aus Anstiegen, aber auch dieser Weg konnte mit schönen Aussichten aufwarten. Manchmal war kaum zu erkennen, wo der Himmel aufhörte und der Ozean anfing. Die Natur und Idylle rundeten die Momente ab.

Trotz schwerer Beine und schmerzenden Füßen kam ich gut voran und fand schnell mein Tempo, wodurch ich ab Donostia San Sebastian die nächsten 6 Kilometer trotz der Höhenmeter am Stück lief. Bemerkbar hat sich aber auch der Rucksack gemacht und in meinen Schultern gab es ein gemischtes Gefühl von Muskelkater und Zerrung.
Um den müden Knochen etwas Erholung zu gönnen, machte ich eine kleine Pause am Rande des Wanderwegs. Raus aus den Schuhen, ein kleiner Snack zur Hand. Gedanklich bei dem weiteren Tag, zog plötzlich ein Nebel vom Atlantik über das Land. Das war für mich das Signal, weiterzulaufen. Aber es dauerte nicht lange, und der Nebel brachte einen heftigen Regenschauer mit sich. Die nächsten 3 Kilometer ging es dann durch den Wald, über Landstraßen und schönen Wanderwegen, während ich von oben nass wurde.

Ich fand Unterschlupf in einer kleinen Herberge, über die ich im Vorfeld schon etwas gelesen hatte. Diese Herberge wird von einer Gruppe geleitet, die zur „Glaubensgemeinschaft der Zwölf Stämme“ gehören soll. In Deutschland wird sie oft als eine Sekte bzw. sektenähnliche Gemeinschaft bezeichnet, die vor einigen Jahren aus Deutschland verschwand, nachdem dort einige „Missstände“ aufgedeckt wurden. Mir wurde schnell angeboten, dass ich eine Nacht bleiben könne. Mein eigentliches Ziel war jedoch Orio oder gar Zarautz und aus dem genannten Grund war ich unschlüssig, ob ich dieses Angebot annehmen möchte. Doch leider schien es nicht so, als würde der Regen bald nachlassen. Durch ein Grollen am Himmel wirkte es gar so, dass ein Gewitter aufzieht. In Orio hätte ich zudem vermutlich keine Unterkunft mehr gefunden und bis nach Zarautz – der Stadt nach Orio – waren es noch 12 Kilometer. Also blieb ich die Nacht dort um am nächsten Tag hoffentlich mit einem Absteig von gut 350 Höhenmetern zu starten. Ein etwas seltsames Gefühl blieb aber.
