Die Anreise

Auch wenn die Pilgerstrecke in Irun beginnt, so startet die Reise jedoch bei mir zu Hause. In den letzten Tagen habe ich vieles vorbereitet. Der Rucksack wurde gepackt. Einmal zur Probe. Danach wurde alles bereitgelegt und schließlich final gepackt.
Ich habe häufiger gelesen, dass jedes Gramm eine Rolle spielen kann. Deswegen überlegt man doppelt und dreifach, was wirklich mit muss. Am Ende war mein Rucksack prall gefüllt bei ca. 10 kg Gewicht. Wenn ich bedenke, dass ich dieses Gepäck in den nächsten Wochen auf meinem Rücken tragen werde und dass das alles ist, was ich in den nächsten Wochen zur Verfügung habe, wird mir etwas anders zumute. Das ist das Gegenteil von dem gewohnten Leben.
Aber das ist das, worum es mir unter anderem geht. Ich möchte raus aus dem Alltag. Raus aus der Komfortzone. Und rein in eine neue Freiheit. Ich fand es schon immer faszinierend, Videos von Pilgerreisen und Touren durch die Natur zu sehen. Die Ruhe und das Weite der Natur zu genießen, eine für mich unbekannte Art der Freiheit zu erfahren und in der eigenen Persönlichkeit zu wachsen, sind Aspekte, die mich besonders reizen.

Ich habe mich in der Vergangenheit mit dem Thema Work and Travel befasst. Häufig wurde ein hierfür benötigtes Visum nur bis zu einem Alter von 30 Jahren ausgestellt. Seit diesem Jahr liegt die Grenze bei 35 Jahren. Für mich kam es aufgrund meines Alters nicht mehr infrage. Das Pilgern auf dem Jakobsweg ist für mich auch eine Möglichkeit, diese verpasste Erfahrung etwas zu kompensieren.
Doch in den letzten Tagen vor der Abreise habe ich gemerkt, wie die Aufregung steigt. Läuft bei der Anreise mit dem Flugzeug alles glatt? Kommt mein Gepäck mit mir am Flughafen an? Die Anreise dauert fast 20 Stunden mit einer geplanten Ankunftszeit um 8:30. Wie vertrage ich es, über 24 Stunden kaum Schlaf zu haben? Und die größte Frage, die ich mir stelle: Was mache ich, wenn es schief läuft und/oder ich enttäuscht von dieser Reise bin? Es ist ein kleiner Lebenstraum, der damit in Erfüllung geht. Da möchte ich keine Enttäuschung erfahren. Je weiter die Fahrt jedoch voranschritt, desto mehr verflogen diese Gedanken und die Vorfreude nahm immer weiter zu. Die Vorfreude auf schöne Städte, eindrucksvolle Landschaften und besondere Begegnungen mit Menschen auf dem Jakobsweg.
Bei allen Unsicherheiten ist die Freude riesig
